Wonach suchen Sie?

Wonach suchen Sie?

Under 25 – Jugendinitiativen in der Großen Seen Region

Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten für die internationale Gemeinschaft
Außenpolitik
Jugend
Imani Bahati I Unsplash

Auf einer gemeinsamen Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung und des Ökumenischen Netzes Zentralafrika (ÖNZ) in Berlin zur Rolle der Jugend in der Großen Seen Region, forderten Teilnehmende ein stärkeres Engagement der Bunderegierung für Frieden in Zentralafrika. In den letzten Monaten hat sich die politische Situation insbesondere in Burundi und der Demokratischen Republik Kongo (DRK) weiter zugespitzt.

Die Handlungsmöglichkeiten der Jugend in der Großen Seen Region sind sehr stark eingeschränkt: Neben Gewalt und extremer Armut blockiert zum einen die ältere Generation durch fortwährenden Machterhalt und Repression politische Partizipationsmöglichkeiten. Zum anderen sind sich die jungen Menschen ihrer politischen Rechte und –Einflussmöglichkeiten häufig nicht bewusst und stehen daher wenig für ihre Wünsche ein.

Sensibilisierungsarbeit in der DR Kongo leistet u.a. die Jugendbewegung La Lucha (Lutte pour le changement), die durch friedliche Proteste die Regierung zur Wahrung der bürgerlichen Rechte auffordert. Sie setzt bei ihrem Engagement vor allem auf Kompromissfindung und flache Hierarchien. Durch das Fehlen einer Geschäftsordnung oder eines Vorstands weist die Bewegung keine herkömmliche juristische Struktur auf und bietet daher wenig Angriffsfläche zur Einschränkung durch den Staat. Zudem versucht La Lucha den Diskurs über verschiedene Handlungsmöglichkeiten auch mit anderen Jugendbewegungen aufrechtzuerhalten. Auf dem ersten Panel sprach man nicht von einer Fragmentierung der Jugend, sondern vielmehr von einem breiten Spektrum an Meinungen, die sich jedoch in der Kritik an der Politik einen. Man befürchte vielmehr ein Einheitsdenken der jüngeren Generation als gefährlichen Wegbereiter für Repression.

Auf dem zweiten Panel diskutierten internationale Expert/innen über die Herausforderungen, die sich in der Großen Seen Region für die internationale Gemeinschaft ergeben. Die Europäische Union (EU) und die Vereinten Nationen (VN) sähen sich besonders in dieser Region einer starken Legitimationskrise seitens der Zivilgesellschaft ausgesetzt. Viele Menschen fühlten sich im Stich gelassen und vertrauten nicht mehr auf außenpolitisches Handeln. Zudem verstärkten ambivalentes Agieren der westlichen Länder sowie das Verschwinden der Region aus der internationalen Berichterstattung diese Stimmung.

Handlungsmöglichkeiten für die EU und die VN bestünden demnach im konstanten Austausch mit der lokalen Zivilgesellschaft. Völkerrechtsverletzungen müssten konsequent strafrechtlich verfolgt und sichtbar gemacht werden. Im Hinblick auf die Jugend sollten Möglichkeiten der Bildung und der Beschäftigung unterstützt sowie politische und bürgerliche Grundrechte gewahrt werden. Die Wahrnehmung der Jugend als ein politischer Akteur des Wandels sei dabei von größter Bedeutung.

Abgerundet wurde der Tag durch die Verleihung des ÖNZ-Friedenspreises an die Jugendbewegung La Lucha. Uwe Kekeritz, entwicklungspolitischer Sprecher von Bündnis 90/ die Grünen und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Bundestag, würdigte in seiner Laudatio die Entschlossenheit und den Mut, sich einer Regierung entgegenstellen, „die brutaler und korrupter nicht sein könnte und die mit Gewalt gegen das eigene Volk vorgeht und den reichen Kongo zu einem armen Land macht.“ Dabei kritisierte Kekeritz auch die Industriestaaten, die u.a. durch Rohstoffhandel und die Ermöglichung von Geldwäsche sich zum Steigbügelhalter dieser Kleptokraten-Regierung machten.

An der Tagung nahmen Vertreter und Vertreterinnen aus der Zivilgesellschaft aus der Region der Großen Seen, aus Deutschland und anderen europäischen Ländern sowie aus Bundestag und Auswärtigem Amt Teil. Das ÖNZ wird sich weiter für ein verstärktes politisches Engagement Deutschlands und der EU im Blick auf eine friedliche Lösung der Konflikte und Abhaltung von Präsidentschaftswahlen in der DRK im Dezember 2018 einsetzen.

Das ÖNZ ist ein Netzwerk christlicher Hilfswerke in Deutschland für Frieden und Menschenrechte in Ruanda, Burundi, und der DR Kongo. Mitglieder des ÖNZ sind die AGEH, Brot für die Welt, Eirene Misereor, pax christi, und die Vereinte Evangelische Mission.

Autor
Gesine Ames

Vorstandsmitglied des Ökumenischen Netz Zentralafrika (ÖNZ) e. V.

office@oenz.de

Referenzen

Verwandte Artikel

Der Katholikentag in Würzburg hat gezeigt: Frieden, Sicherheit und Entwicklung gehören zusammen. Im Gespräch erläutert Dorothee Klüppel, Mitglied im Lenkungsausschuss von FriEnt und Abteilungsleiterin Afrika/Nahost bei Misereor, warum Sicherheit mehr ist als militärische Stärke, weshalb Gerechtigkeit, Demokratie und internationale Zusammenarbeit zentrale Voraussetzungen für nachhaltigen Frieden sind und welche besondere Rolle kirchliche Akteure dabei spielen – gerade in Zeiten von Aufrüstung und geopolitischen Spannungen.
Wie kann der Humanitarian-Development-Peace (HDP) Nexus angesichts wachsender Krisen, knapper Ressourcen und geopolitischer Spannungen wirksam umgesetzt werden? Lena Pönisch von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) stellt die zentralen Erkenntnisse eines internationalen Reflexionsprozesses vor und zeigt, warum es heute vor allem bessere politische, institutionelle und finanzielle Rahmenbedingungen braucht, um gemeinsame Wirkung in Krisenkontexten zu erzielen.
Die Klimazwischenverhandlungen (SB64) in Bonn endeten mit ernüchternden Ergebnissen. Klimagerechtigkeit war in vielen Gesprächen und Verhandlungsrunden ein zentrales Thema, doch Fragen rund um die Klimafinanzierung verhinderten eine Einigung. Die Verhandlungen über das globale Anpassungsziel müssen beispielsweise wieder bei null beginnen. Der Nexus von Klima, Frieden und Sicherheit blieb in den Verhandlungen sowie in der von der türkischen COP31-Präsidentschaft vorgestellten Aktionsagenda weitgehend unberücksichtigt.
Im Rahmen der UN-Klimaverhandlungen, den sogenannten June Climate Meetings der Nebenorgane der UNFCCC (SB64) in Bonn, schilderte Mrinal Kanti Tripura, Direktor der Maleya Foundation in Bangladesch, wie sich der Klimawandel auf indigene Personen im östlichen Himalaya auswirkt. Im Interview erläutert er, warum die Folgen des Klimawandels nicht nur Lebensgrundlagen, sondern auch Kultur und traditionelles Wissen bedrohen – und warum die Stimmen indigener Gemeinschaften in den Klimaverhandlungen Gehör finden müssen.

Verwandte Artikel