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Frieden braucht neue und andere Partnerschaften

Frient Peacebuilding Forum 2021
FriEnt PBF Panel 1 mit Natasha Walker (PBF Moderatorin), Dylan Mathews, (Peace Direct, UK), Hajer Sharief (Together we build it, Lybia) and John Nkum (Organization Development Centre, Ghana)

Fünf Tage, 26 Workshops und drei Paneldiskussionen mit mehr als 450 Teilnehmenden aus 54 Ländern: Zwischen Ende April und Anfang Mai war das FriEnt Peacebuidling Forum 2021 „Translate. Relate. Act: Forging Partnerships for Sustainable Peace” als virtuelle Veranstaltung ein Ort für Austausch und Begegnung.

Ob Klimawandel, Digitalisierung und soziale Medien, die Zukunft europäischer Friedenspolitik oder die Rolle von Frauen und Jugend in Friedensprozessen: Das Forum hat eine große Bandbreite aktueller Trends und Herausforderungen aufgegriffen, um der Frage nachzugehen, wie neue Wege für Partnerschaften eingeschlagen und Realitäten in Politik und Handeln übersetzt werden können. Bei aller thematischen und regionalen Vielfalt wurden dabei gemeinsame Anliegen, Möglichkeiten und Erfahrungen sichtbar. Mehr Inklusion und Teilhabe, insbesondere von marginalisierten Gruppen, Frauen und Jugend, mehr Konfliktsensibilität, Flexibilität und Risikobereitschaft seien notwendig. Der Focus müsse deutlicher auf der Bearbeitung struktureller Ursachen von Gewalt und einem stärkeren Zusammenwirken über Sektor- und Akteursgrenzen hinweg liegen. Immer wieder wurden mangelnder politischer Wille, Korruption und shrinking space als zentrale Herausforderungen für gesellschaftspolitischen Wandel und Konflikttransformation benannt.

Bekanntes verliert nicht an Relevanz

Das hört sich alles nicht wirklich neu an? Ist es auch nicht. Aber zum einen verliert Bekanntes nicht seine Relevanz, weil neue Krisenregionen, Themen und der Ruf nach Innovation auf die Tagesordnung drängen. Zum Erfahrungswissen zählt schließlich auch, dass nachhaltige Friedensförderung Zeit, vertrauensvolle Partnerschaften und Verständnis komplexer Konfliktkonstellationen erfordert. Zum anderen wird die Notwendigkeit, „Altbekanntes“ umzusetzen, dringlicher. Dies wäre ein zentraler Schritt, Veränderungen zu ermöglichen, bestehende Agenden und Policy Papiere umzusetzen – und die wiederholt konstatierte Kluft zwischen Politik und der Umsetzungspraxis zu schließen.

Die Dringlichkeit, Praxis und Politik der Friedensförderung zu verändern war in den Diskussionen des FriEnt PBF 2021 erlebbar – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Covid-19 Pandemie und „toxic geopolitics“, wie Dan Smith (SIPRI) die derzeitige Weltlage pointiert umschrieb. Deutlicher als zuvor war auch das Anliegen, angesichts wachsender Ungleichheit, hate speech und Rassismus, Gewaltprävention und Friedensförderung (zurück) nach Europa zu bringen. Keine Trennung zwischen dem globalen Süden und dem globalen Norden vorzunehmen, sondern die Förderung friedlicher, gerechter und inklusiver Gesellschaften im Sinne des Universalitätsprinzips der Agenda 2030 als gemeinsame Herausforderung zu verstehen.

Fokus auf gemeinsamer anstelle von gleichberechtigter Partnerschaft

Doch wie den notwendigen und geforderten Wandel gestalten? Welche Schritte sind erforderlich? Welche Ideen stehen im Raum? Ehrlichkeit, Realismus und eine gewisse Portion Pragmatismus wurden immer wieder genannt. Dies beginnt mit der Verwendung von Sprache und Begrifflichkeiten. Bestehende Machtverhältnisse, so einige Stimmen, ließen keine „gleichberechtigten Partnerschaften“ zu. Warum also Dinge nicht beim Namen nennen – und auf „mutual partnerships“ hinarbeiten? Es braucht mehr als kleine Schritte für zukunftsfähige Partnerschaften: Geschützte Räume für Partner, um offen Kritik zu äußern, Beratungs- und Entscheidungsstrukturen, die Partner in die Strategieentwicklung einbinden, wechselseitiges Lernen. Eine Änderung von Organisationskulturen ist ambitioniert, aber notwendig, um integrierte Ansätze umzusetzen und Raum für „co-creation“ zu schaffen. Häufig bestimmt eben nicht das „Was“ Partnerschaften für Friedensförderung, sondern das „Wie“. Und dieses „Wie“ gilt es, weiter auszuloten.

Anmerkung der Redaktion: In den nächsten Wochen stellt FriEnt die Dokumentation aller Sessions des diesjährigen FriEnt Peacebuilding Forums zum Nachlesen auf der Website zur Verfügung. Wir informieren Sie auf Twitter.

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Autor
Natascha Zupan
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